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Die vielen Nullen trügen das Selbstbild – von Robert Hiersemann

Sie haben auffälligen Schmuck am Hals, dicke Autos in der Garage und häufig gleich zwei oder drei Handys in der brandneuen, sündhaft teuren Designerjacke versteckt. Aber muss das wirklich sein?

Profifußballer verdienen viel Geld, das ist weitläufig bekannt. Doch waren es früher vor allem die großen Namen, die üppige Gehälter kassierten – gestandene Bundesliga-Spieler, die sich über die Jahre hinweg einen Ruf aufgebaut hatten – verdienen heute viele Spieler schon mit ihrem ersten Profivertrag Unsummen. Und das im Alter von 18 oder 19 Jahren. Ein Fehler!

Das glaubt auch Manchester-City-Profi und Nationalspieler Ilkay Gündogan, der im Interview mit dem Sportbuzzer einen interessanten Vorschlag einbringt: „Warum soll man nicht sagen, dass ein Spieler, bis er 20 ist, nur einen gewissen Betrag verdienen darf?“ Ein kluger und richtiger Gedanke. Damit spricht Gündogan, der beim VfL Bochum sein Profidebüt gab und verriet, dass er in seinem ersten Profijahr nur 3000 Euro brutto monatlich verdiente, den Fans aus der Seele.

Das Problem: Anders als früher, als junge Spieler meist über Jahre hinweg bei ihrem Heimatverein in der Bundesliga oder 2. Bundesliga blieben, um sich zu entwickeln, wollen die größeren Klubs heute sofort die besten Talente verpflichten, egal wie alt sie sind. Doch was macht das mit dem Selbstbewusstsein der jungen Erwachsenen?

England-Legende Frank Lampard sieht es wie folgt: Die Nachwuchskicker „erlangen so ein bisschen Berühmtheit, sie denken, sie hätten es geschafft, und es liegt in der menschlichen Natur, dass sie dann ihre Augen vom Ball lassen und Training und Disziplin vernachlässigen“.

Mit 18 oder 19 Jahren ist es nicht wichtig, schon das große Geld zu verdienen. Denn wenn man ein richtig guter Spieler ist, kommt das später von selbst. Der frühe Ruhm und die vielen Nullen auf dem Konto trügen nur das Selbstbild! Und lenken Jungprofis vom Kern ihrer Arbeit ab.

Mit gerade einmal 18 Jahren sollte es bei talentierten Fußballern darum gehen, sich durchzubeißen, den großen Traum vom Profidasein leben zu können, in der Kabine seinen großen Idolen entgegenzutreten und sich darüber diebisch zu freuen. Denn erreicht hat man doch noch nichts. Alles liegt noch vor einem. Und dementsprechend sollte man als junger Fußballer auch verdienen.

Quelle: KN-Sport vom 11.Nov.2017 – Kommentar

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