SVH – Memories

Anlässlich des 50.Jubiläums ein Interview mit Malte Maßmann, Gründungsmitglied des SV Holtsee und langjähriges Vorstandsmitglied

Lieber Malte, 50 Jahre Sportverein Holtsee; Was bedeutet das für dich als Gründungsmitglied? – 50 Jahre Sportverein Holtsee sind letzten Endes für jedes einzelne Jahr eine Belohnung für das, was wir mit der Gründung im Jahr 1958 unter sehr schwierigen Bedingungen, die sich heute keiner vorstellen kann, erreicht haben. Es macht mich auch etwas stolz, zu der Entwicklung des Vereins mit jetzt weit über 600 Mitgliedern einen gewissen Anteil zu haben und den Verein fest im Kulturleben des Dorfes etabliert zu sehen.

Wie war das im April 1958 eigentlich? – Schon in der Chronik zum 25jährigen Jubiläum ist zu lesen, dass Hans Peter Gäthje und Horst Bogun zu mir nach Lehmsiek kamen und mich fragten, ob wir nicht einen Fußballverein ins Leben rufen sollten. Beide spielten damals beim Gettorfer Sportclub und ich spielte seit 3 Jahren beim Eckernförder Sportverein. Ich nahm dann entsprechende Formalitäten zur Gründung vor und so wurde der Sportverein Holtsee am 09.04.1958 in der Gastwirtschaft Ströh mit 25 eingetragenen Mitgliedern ins Leben gerufen. Heinrich Ströh wurde 1. Vorsitzender, wir brauchten einen Repräsentanten, Heinrich Kühl Kassenwart und ich wurde „Mädchen für Alles“.

Stand gleich der Erfolg oder eher das sportliche Miteinander im Vordergrund? – Sicher stand der sportliche Erfolg auch zu der Zeit im Vordergrund, speziell im ersten Jahr durch den Aufstieg aus der B- in die A-Klasse ohne Niederlage, damals höchste Liga im Altkreis Eckernförde. (Höchster Sieg war 18:2 gegen den VFL Loose II). Aber das Miteinander prägte zu der Zeit doch viel mehr als heute das sportliche wie auch das private Leben. So saßen wir immer nach den Spielen – ob zu Hause oder auswärts – in der Gastwirtschaft beim „Stiefel-Bier“ zusammen.

Was war dein kuriosestes Ereignis in 50 Jahren SV Holtsee? – Zwei Dinge möchte ich dazu beitragen. Als höchst aktuell lief es jetzt durch die Kreis- und Landespresse, dass die Torgrößen bei etlichen Vereinen nicht den Regeln entsprechen! Alles „kalter Kaffee!“. Wir mussten schon Mitte der 60er neue Torlatten anschaffen, weil ein gegnerischer Verein (Sehestedt?) unsere Tore, die damals noch aus Holzpfosten und Holzquerlatten bestanden, nachgemessen hatte; 7 cm fehlten in der Länge. 14 Tage später spielten wir in Waabs. „Hans im Glück“, ein damals mehr als bekannter Schiedsrichter verpfiff uns – wir maßen die Tore und siehe da, sie waren nicht nur nicht breit genug, sondern auch zu niedrig! Also haben wir Protest eingelegt. Das Kreisgericht verwarf allerdings die Regelverstöße des Schiedsrichters, fuhr aber nachts (!) noch zum Messen der Tore nach Waabs. Man stellt die falschen Maße fest und dem Protest wurde stattgegeben und das Spiel wiederholt. Ob wir das gewonnen haben, weiß ich nicht mehr. Als weiteres Ereignis erinnere ich mich…..Die Zusammenlegung der Kreise Eckernförde und Rendsburg stand an. So ergab sich eine neue Kreisliga, wir hatten uns nicht qualifiziert und mussten ein Entscheidungsspiel gegen Karby auf dem Bystedtredder in Eckernförde machen. Leider fiel ein Spieler aus, aber zufällig war Dieter Hamann da, ein ehemaliger Spieler , der aber schon seit 2 Jahren in Hamburg lebte und dort auch spielte und für uns somit gar nicht spielberechtigt war. Aber wir hatten noch seinen alten Pass und so betrieben wir damals schon, was heute in der Bundesliga Gang und Gebe ist, kurzfristigen Vereinswechsel für das Spiel. Wir gewannen 1:0. Dieter Hamann schoss das Tor! Irgendwann hat der Kreisspielausschussobmann es zwar gemerkt, aber wir hatten gute Connection und waren in der neuen Kreisliga.

Welches sind deiner Meinung nach die größten Erfolge des Vereins? – Die größten Erfolge des Vereins waren zweifellos der Bau der neuen Sportanlage 1977 mit einem Sportplatz, der auch heute noch zu den besten im Kreisgebiet gehört und der Bau des neuen Sportheimes 1982/83, mit dem Umbau des alten Sportheimes mit 4 Umkleidekabinen, neuen Duschanlagen, Schiedsrichterraum, Ballraum, einem kleinen Geschäftszimmer, alles in Eigenleistung! Zwischenzeitlich wurde die Turnhalle 1979 eingeweiht, die dann speziell für unsere TT-Abteilung, aber auch für die anderen und neuen Sparten neuen Schwung brachte.

Welches war der größte sportliche Erfolg? – Die größten sportlichen Erfolge waren der dreimalige Aufstieg der Fußballer in die Bezirksliga/klasse, die Kreismeisterschaft der B + A-Jugend unter Heinz Schließeit bei der Fußballjugend, die Kreismeisterschaft der Tischtennisspieler mit dem Aufstieg in die Bezirksliga und in der Tischtennisjugendabteilung die Kreismeisterschaften mit Teilnahme an den Bezirks- und Landesmeisterschaften.

…und die größte Niederlage? – Niederlage nein – ich würde eher sagen Enttäuschungen. Eine davon war die Ablehnung eines Antrages auf Erweiterung der Öffnungszeiten im Sportheim und Genehmigung von Festveranstaltungen im Sportheim für Mitglieder durch den Gemeinderat mit den Stimmen der damaligen CDU-Mehrheit mit der Begründung, der Dorfkrug müsste geschützt werden (dort passierte eh nichts mehr). Ulfert enthielt sich der Stimme und Hans-Werner Steffen und ich wurden vor die Tür gebeten wegen Befangenheit! Nun gut, der Krug brannte dann ab – die Zeiten haben sich geändert.

Was ist dein Rat an die Ehrenamtlichen…… Ich habe fast die ganzen 50 Jahre in irgendeiner Form im Sportverein mitgearbeitet. Sicher war ich manchmal kein bequemer Mitarbeiter, hatte aber immer das Ziel vor Augen, zum Wohle des Gesamtvereins zu arbeiten. Wenn man sich zu dieser Arbeit entschließt, sollte man sich im Klaren sein, dass dieses Hobby Zeit und Zuverlässigkeit erfordert. Man erfährt Dank wenn alles läuft. Aber man wird zum Prügelknaben, wenn etwas schief geht, diese „Prügel“ muss man ertragen. Aber ein Ehrenamt gibt einem auch sehr viel und macht auch Spaß – manchmal mehr als erwartet.

Malte, wir danken dir für die langjährige Vorstandsarbeit im SV Holtsee und für dieses Gespräch.

Quelle: Erinnerungen – SV Holtsee – 1958 – 2008

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